Montag, 29 November 2021
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150 Jahre Begeisterung für die Blasmusik

„Wo man Musik pflegt, ist’s im Dorfe wohl bestellt – denn Musik erwärmt und erhellt die Welt“. Diesem Motto ist die Trachtenkapelle Waldulm seit 150 Jahren treu und sie feiert ihr stolzes Jubiläum vom 10. bis 13 Juni mit einem großen Zeltfest beim Winzerkeller.

Das Jubiläumsfest beginnt am Freitagabend um 19.30 Uhr mit einem Festbankett und mit einem anschließenden Polka-Abend im Festzelt, Höhepunkt ist am Samstag, 20 Uhr, der Auftritt des Top-Trompeters Vlado Kumpan mit seinen Musikanten im Festzelt bei der Winzergenossenschaft. Karten sind im Vorverkauf erhältlich an allen Geschäftsstellen der Sparkasse Offenburg/Ortenau sowie auf der Touristinformation Kappelrodeck. Kartenreservierung ist per Email unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! sowie unter Telefon 07842-2013 möglich.
Der Festsonntag wird um 10 Uhr mit einem Festgottesdienst im Festzelt eröffnet, im Anschluss daran gibt der Jubilar ein Frühschoppenkonzert. Anlässlich des Jubiläums ist am Sonntag in Waldulm auch Verbandsmusikfest, um 14 Uhr präsentieren sich die Verbandskapellen des Acher-Renchtal-Musikverbandes bei einem Festumzug durch Waldulm. Im Festzelt spielen ab 14.30 Uhr „Frank Metzger und Die jungen Böhmischen“, der Musikverein Fautenbach beschließt den Festsonntag um 18 Uhr mit einem Unterhaltungskonzert.

Am Montagabend um 17 Uhr spielt die Kapelle „Original Rebländer Blasmusik“ zum Dämmerschoppen auf, die Trachtenkapelle bietet dazu ein Handwerkervesper sowie Haxen an. Den Schlusspunkt unter die Festtage setzt um 20 Uhr die Original BadenMedia Ü-30 Fete mit DJ Frank Dickerhof und der Band „Die Topstars“.

Die Einzelmusiker Bernhard Heitzmann, Ludwig Hirt, Leander Hodapp, Philipp Hodapp, Karl Huber, Josef Jülg, Roman Pfeifer und Fabian Wurch bildeten vor 150 Jahren die bescheidene Schar von Einzelmusikern, die den Musikverein in Waldulm ins Leben rief. Gründungsprotokolle fehlen zwar gänzlich, aber es existiert eine eidesstattliche Versicherung eines Waldulmer Bürgers aus dem Jahr 1937, dass er als 14-jähriger Bub 1866 den Zusammenschluss der Einzelmusiker zu einem Verein selbst miterlebt hat, weil sein Bruder Gründungsmitglied gewesen war. Initiator war der Kronenwirt Karl Huber, unter seiner Führung schlossen sich die Acht zu einem Verein zusammen und gaben im den Namen „Musikverein Harmonie Waldulm“.

Das älteste Bild aus dem Jahr 1920 zeigt die Musiker Wilhelm Huber, Josef Benz, Emil Hodapp,
Rudolf Lamm Ludwig Hodapp, Lorenz Panther, Otto Jülg und Otto Huber

Diese Musiker waren lupenreine Idealisten, denn für Instrumente wie für Noten hatte jeder selbst aufzukommen. Geld brachte das Spielen bei Hochzeiten und zu anderen Anlässen und wie mündlich überliefert ist, fuhren die Acht mit Pferdegespannen bis ins Hanauerland. Einer Rechnung im Archiv der Gemeinde Waldulm lässt sich entnehmen, dass nach dem deutsch-französischen Krieg anlässlich des Friedensfestes am 30. August 1871 neun Musikern drei Gulden und 32 Kreuzer fürs Musizieren ausbezahlt wurden, und am 3. März 1879 bestimmte der Waldulmer Gemeinderat, dem „hiesigen Musikverein jährlich für Musizieren an kirchlichen Feiertagen sowie am Kaiserfest und Großherzogsgeburtstagsfest 20 Mark zu gewähren“.

Mit Gründung der Kapelle im Jahr 1866 hatte Karl Huber auch die musikalische Leitung der Kapelle inne, unterstützt wurde er Mitte der 80er Jahre von Bernhard Bohnert, der eine Ausbildung als Militärmusiker hatte. Klar, dass somit Marschmusik an erster Stelle stand. Wie überliefert ist, wurde bei den Proben der Buchwaldweg im Anschluss an die Blaubronn „laufend hin und her vermessen“. Auf Karl Huber folgte 1894 Joseph Schneider im Vorsitz, in seiner Zeit nahm der Musikverein am 2. Juni 1907 am Gautag des neu gegründeten „Mittelbadischen Musikverbandes“ teil und erhielt einen Pokal. Wendelin Huber führte den Verein über die Kriegszeit hinweg von 1912 bis 1920. Im Ersten Weltkrieg fielen bedauerlicher Weise fünf Musikerkameraden und hinterließen schmerzliche Lücken in der Kapelle.

Dass die Reihen wieder aufgefüllt wurden, dafür sorgte in den zwanziger Jahren Pfarrer Wilhelm Fichter. Er besorgte auch Instrumente und hatte im Vorsitzenden Otto Jülg und in Dirigent Josef Lang aus Kappelrodeck tatkräftige Mitstreiter. Preis des musikalischen Strebens war 1932 ein „Ia – Preis“ beim Wertungsspielen in Kappelrodeck. August Huber, Hermann Ossola, Gottfried Lamm und Ewald Schneider führten den Musikverein in der Nachfolge von 1933 bis 1946, Steinbruchbesitzer Hermann Ossola war als großer Gönner erstmals als passives Mitglied Vorsitzender. Unter seinem Vorsitz erhielt die Musikkapelle neue Uniformen, die erstmals am Weißen Sonntag 1935 getragen wurden. Der Zweite Weltkrieg dann bewirkte beim Musikverein Harmonie Waldulm den völligen Stillstand und dezimierte ihn ein zweites Mal.

Am 8. April 1946 erhielt der Verein unter Vorsitz von Karl Fischer nach zähen Verhandlungen mit den französischen Besatzern wieder die Vereinsgenehmigung und ging erneut daran, sich zu einer guten Blasmusikapelle zu formieren. Das gelang in den 50er Jahren besonders unter Dirigent Kurt Geiser, Vorsitzende waren in jener Zeit Karl Fischer, Siegfried Fischer und August Huber. Im Februar 1964 erfüllte sich unter dem Vorsitzenden Josef Hoog mit einem eigenen Vereinslokal in der alten Schule in Waldulm ein großer Wunsch des Vereins, die 100-Jahr-Feier wurde mit Verbandsmusikfest und imposantem Festzug groß gefeiert.

Dirigent Kurt Schütz beim Abschiedskonzert 2008

Die längste Dirigentenära begann unter dem Vorsitzenden Karl Hodapp 1973 mit dem Engagement des ehemaligen Berufsmusikers Kurt Schütz. Unter seiner Leitung entwickelte sich die Musikkapelle zu einem Klangkörper par excellence und er formte auch eine Jugendkapelle, deren Musiker die Reihen der Kapelle füllten, so dass sie auf mehr als 50 Köpfe wuchs. In einer außerordentlichen Generalversammlung im März 1976 beschloss der Musikverein, seinen heutigen Namen anzunehmen: „Musikverein Trachtenkapelle Waldulm“.

Karl Hodapp, Gebhard Fischer, Viktor Hodapp und Mario Braun trugen seit den siebziger Jahren die erste Verantwortung im Verein, Kurt Schütz übergab 2008 nach 35 Jahren den Dirigentenstab an Wolfgang Graf. Beide formten die Trachtenkapelle Waldulm zu einem großartigen Ensemble, das überall ein gern gesehener Gast ist und in dem zur Freude der Zuhörer jugendliche und erwachsene Musikerinnen und Musiker eine mitreißende Musik machen.